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Ecommerce Wahnsinn @it´s Best und was mir sonst noch so gefällt

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Von Baseballschlägern und Mitmenschen

Von Baseballschlägern und Mitmenschen

Bei der heutigen Visite hat der Chefarzt mir Hoffnung gemacht. Wenn der Heilungsprozess weiterhin so gut verläuft, kann ich in zwei bis drei Wochen meinen Koffer packen und das Krankenhaus verlassen. Die erste gute Nachricht, an die ich mich wieder erinnern kann. Mit meinem Erinnerungsvermögen ist es nämlich zur Zeit nicht so gut bestellt. Und es handelt sich nicht um altersbedingte Ausfallerscheinungen. Ich bin erst 45 und dementsprechend ein Mann im besten Alter. Aber der Reihe nach.

Der Idiot bin und bleibe ich

Wenn ich auch eine Menge vergessen habe, der unglückselige Vorfall, dem ich den Krankenhausaufenthalt zu verdanken habe, ist fest in meinem Gedächtnis verankert. Jeden Tag läuft der Film mehrmals vor meinem inneren Auge ab. Nachts wache ich davon manchmal schweißgebadet auf. Immer verändern sich ein paar Kleinigkeiten an der Geschichte, aber der Idiot in dem kleinen, dummen Streifen bin und bleibe ich. Womöglich für immer. Inzwischen bin ich eine Berühmtheit geworden, wenn man das so sagen kann bei aktuell 1.784.272 Likes weltweit. Denn ein anonymer Nachbar hat alles mit dem Smartphone aufgenommen und bei Facebook gepostet. Von da gelangte es zu YouTube … u.s.w.

Deutschlehrer als Ghostwriter

Einsam bin ich jedenfalls nicht. Obwohl ich inzwischen auf ein Einzelzimmer verlegt wurde. Es ist nicht wirklich ein Einzelzimmer. In den Raum würden locker acht Betten für Kassenpatienten passen. Aber der Klinik blieb keine andere Wahl. In meinem vorherigen Vier-Betten-Zimmer haben sich die drei anderen Patienten massiv beschwert. Zu Recht, wie ich meine. Der Andrang war einfach zu groß geworden. Besonders zwischen dem Mittag- und dem Abendessen drängten sich die Besucher um mein Bett. Mein Sohn Jerome, gerade 16 Jahre alt geworden, hat mir 10.000 Autogrammkarten drucken lassen. Und Dr. Meierbaum, Jeromes Deutschlehrer, hat sich als Ghostwriter angeboten, damit meine Geschichte noch vor Weihnachten als Buch erscheint.

Beinahe das vorzeitige Ableben

Schreiben kann ich tatsächlich nicht, nicht einmal meinen Namen. Nein! Ich bin kein Analphabet. Wie soll ich schreiben, wenn ich praktisch von Kopf bis Fuß eingegipst bin? Die Autogramme pinsele ich mit einem Filzstift auf die Karten. Der Stift steckt dabei im Mund. Dann kreise ich mit dem Kopf über der Karte. Funktioniert ganz gut, hätte aber vor zwei Tagen fast zu meinem vorzeitigen Ableben geführt. Gerade als ich dabei war, eine Autogrammkarte zu unterschreiben, tätschelte der Autogrammjäger meinen Kopf. So heftig, dass mein Gesicht auf die Schreibunterlage krachte. Zum Glück liege ich ja im Krankenhaus und ärztliche Hilfe war umgehend zur Stelle. Nach etwa einer Stunde war der Filzstift aus meinem Rachen entfernt.

Eine schrecklich-komische Geschichte

Drei lange Tage konnte ich weder essen noch trinken und musste künstlich ernährt werden. Das war halb so schlimm. Schlimmer war, dass ich keinen Ton hervorbrachte, denn meine Fans besuchen mich ja nicht nur wegen der Autogramme. Sie wollen aus meinem Mund und mit meinen Worten die schrecklich-komische Geschichte hören. Und da kommt jetzt wieder mein Sohnemann Jerome ins Spiel. Ein ziemlich normaler Junge. Sportlich sehr aktiv. Oder sollte ich es hyperaktiv nennen, dass Jerome sich alle vier Wochen für eine andere Sportart begeistert? Fußball, Skateboard, Tischtennis, Schwimmen, Rugby, Football, nichts hat er ausgelassen. Und jetzt …

Als der Strom ausfiel

Manchmal kommt halt alles zusammen. In jener Nacht war ich allein im Haus. Meine Frau besuchte ihren mittelasiatischen Meditationskurs. Jerome war beim Training und wollte anschließend bei einem Freund übernachten. Ich hatte keine Ahnung, was er gerade trainierte und um welchen Freund es sich handelte. Ich ging früh zu Bett, wurde irgendwann in der Nacht durch lautes Poltern geweckt, stellte fest, dass die Nachttischlampe nicht funktionierte. Ich wollte die Ursache des Lärms erkunden, tastete mich durch das Dunkel und fiel prompt die Treppe runter. Ich unterdrückte die Schmerzensschreie und rappelte mich auf. Ich war halbwegs okay und realisierte, dass anscheinend in der ganzen Siedlung der Strom ausgefallen war.

Ein unbekannter Gegenstand

„Hallo.“
Meine zaghaften Rufe wurden nicht beantwortet. Eine eigentümlich Stille im Haus. Vielleicht hatte ich geträumt. Vorsichtig spazierte ich durch das Wohnzimmer und lag plötzlich wieder flach. Ich spürte Blut auf meiner Stirn. Eine Ecke des Schranks war stärker als mein Dickschädel. Leise über meine eigene Tollpatschigkeit fluchend, vernahm ich plötzlich Geräusche. Sie kamen von draußen. Jemand machte sich am Garagentor zu schaffen. Ich tastete mich langsam weiter im Dunkeln voran, schließlich wollte ich nicht noch einmal wo gegen prallen. Dann berührten meine Hände einen seltsamen Gegenstand. Ich hielt ihn fest in beiden Händen, als wäre es mein letzter Halt im Leben. Bald war ich sicher, dass ich einen Baseballschläger umklammere. So ein Teil in meinem Haus? Ich kombinierte. Als ich feststellte, dass die Haustür offenstand, war alles klar. Ein mieser Einbrecher hatte den Stromausfall genutzt und war bei mir eingebrochen. Aus irgendeinem Grund hatte er die Flucht ergriffen und in der Eile den Baseballschläger vergessen.

Ich kann auch anders

Ich bin die Gutmütigkeit in Person. Aber wenn es sein muss, kann ich auch anders. Ich war wild entschlossen, den Einbrecher zu stellen. Weit konnte er nicht gekommen sein. Mit dem Baseballschläger bewaffnet umkreiste ich das Haus. Wieder vernahm ich Geräusche und zwar direkt hinter mir. Mit einer schnellen Bewegung drehte ich mich um und verspürte dann auch schon einen gewaltigen Schmerz in meinen Genitalien. Vor Schreck und Schmerz ließ ich den Baseballschläger fallen. Ein Fehler! Der Einbrecher schnappte sich blitzschnell den Schläger und schlug damit immer und immer wieder auf mich ein. Mal von links, mal von rechts, zum Glück nicht auf den Kopf. Ich hörte die Knochen in meinem linken Arm knacken. Trotz meines gebrochenen Armes gelang mir die Flucht. Den Schmerz ausgeblendet, kletterte ich über den Jägerzaun rüber auf das Nachbargrundstück, stakste über den Rasen und landete im Fischteich. Als ich wieder Land unter den Füßen hatte, hörte ich plötzlich ein bedrohliches Knurren.

Schrecken mit Ende

Verdammt. Ich hatte total vergessen, dass mein lieber Nachbar sich vor kurzem einen Hund zugelegt hatte. Der Hund schlug nicht an. Das Sprichwort „Hunde, die bellen, beißen nicht“ konnte ich also getrost vergessen. Kaum gedacht, spürte ich auch schon, wie sich Hundezähne in meine Wade bohrten. Es gelang mir den Hund abzuschütteln. Voller Panik ergriff ich die Flucht nach vorne. Zurück über den Jägerzaun, zurück auf mein Grundstück, zurück – Sie ahnen es sicher schon – in die Weichreite des Baseballschlägers. Diesmal erwischte er mich mit voller Wucht am rechten Arm und direkt am Kiefer. Wieder hörte ich dieses widerliche Geräusch von berstenden Knochen. Ich taumelte, stürzte rücklings in den leeren Pool und wurde bewusstlos. Erst im Krankenhaus erwachte ich. Meine Frau und mein Sohn waren bei mir. Jerome, wie konnte es auch anders sein, liebte inzwischen Baseball. Hätte ich eigentlich wissen sollen. Immerhin kaufte ich ihm den Schläger. Fiel mir nur in jener verhängnisvollen Nacht vor lauter Aufregung nicht ein. Jerome hatte ihn im Wohnzimmer deponiert, wo ich ihn schließlich im Dunkeln fand. Der Einbrecher entpuppte sich als meine Frau. Sie kam früher als erwartet vom Training zurück. Sie war es, die die Geräusche am Garagentor verursachte, als sie ihr Fahrrad hineinbrachte. Kaum im Haus angekommen, bemerkte sie, dass sie etwas in ihrem Fahrradkorb vergessen hatte und kehrte noch einmal in die Garage zurück. Dabei ließ sie die Haustür offen. Wie sich herausstellte, glaubte sie ebenfalls an einen Einbrecher. Da der Strom wie bereits erwähnt ausfiel, konnte sie nicht sehen, dass ich es war, der mit dem Baseballschläger in der Hand um das Haus schlich. Und da sie erst vor kurzem einen Selbstverteidigungskurs absolviert hatte – tja, irgendwie wurde dadurch ihr Kampfgeist geweckt, lauerte sie mir auf, entwaffnete und verprügelte mich letztlich mit meiner eigenen Waffe. Meine Jungs vom Stammtisch lachen heute noch darüber. Der Pool, in den ich gestürzt war, wurde erst am Vortag geleert. Sonst wäre das Ganze vielleicht etwas glimpflicher ausgegangen und ich hätte mir nicht zusätzlich noch drei Rückenwirbel und beide Beine gebrochen. Und bei der Killerbestie von Hund handelt es sich übrigens um einen Zwergspitz.
In Zukunft werde ich mich mehr um meine Mitmenschen und ihre Interessen kümmern. Und der Baseballschläger wird von nun an einem sicheren Ort verwahrt.

Die Entscheidung lautet also …

Baseballschläger

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oder Mitmenschen?

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